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Unternehmen
5 min Lesezeit

Investition in die Zukunft

14. Januar 2026

Eine der großen Herausforderungen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft liegt in der Digitalisierung. Dafür braucht es Ideen, wo und wie diese sinnvoll eingesetzt wird und vor allem auch wie sie finanziert werden kann. Die Firmenberater der Volksbank Lahr können dabei helfen. Gerade auch, wenn es um die Verbindung von Darlehen und staatlichen Förderprogrammen geht. Zwei Beispiele aus der Ortenau zeigen, wie das funktionieren kann.

In der Fahrschule Impetus mit ihren Standorten in Lahr und Offenburg kam die Geschäftsführerin und Gründerin Marlene Pflanz etwa zur Einsicht, dass es bessere Fahrsimulatoren braucht, da die bisherigen mit ihren drei Bildschirmen eher an Spielkonsolen als an seriöse Hilfsmittel erinnern. Sie recherchierte nach einer Lösung und wurde schließlich nicht in Deutschland, dafür im spanischen San Sebastian fündig. Dort produziert die Firma Lander hochdigitalisierte Fahrsimulatoren, die weltweit im Einsatz sind. So lernen Schüler in Abu Dhabi, Singapur und anderswo bereits erst mit diesem Gerät das Lenken und Schalten, Bremsen und Beschleunigen, ehe es dann auf echte Straßen geht. Für Impetus hat Lander nun den Fahrsimulator auf deutsche Verhältnisse angepasst – exklusiv.

INVESTITION STEMMEN

Allerdings war für diesen qualitativen Sprung nach vorne eine hohe Investition notwendig. Was tun? Marlene Pflanz ging zu ihrer Hausbank, der Volksbank Lahr. Dort hatte Firmenberater Lukas Gitzinger dafür sofort die passende Idee, um den Invest von rund 100.000 Euro zu stemmen: die Digitalisierungsprämie Plus. Diese Darlehensvariante verbinde die Zuschussförderung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus mit einem zinsverbilligten Darlehen, erklärt der Fachmann. Der Antragsteller erhält den Zuschuss dabei in Form eines Tilgungszuschusses, der die Rückzahlung des Kredits mindert.

Um die Digitalisierungsprämie auf den Weg zu bringen, brauchte es lediglich ein paar Gespräche zwischen Investorin und Firmenberater – letzterer bereitete schließlich die Unterlagen unterschriftsreif vor. Fertig. Und was bringt der hochdigitalisierte Fahrsimulator jetzt genau? „Eine Menge“, schwärmt Marlene Pflanz. Über den Lander können nun zum Beispiel auch Fahrstunden eingespart werden, was sich auf die Kosten genauso auswirkt wie auf den Spritverbrauch. „Die Anforderungen im Straßenverkehr sind größer geworden“, weiß Marlene Pflanz, die selbst Fahrschullehrerin ist. Es gibt mehr Verkehr, dazu auch mehr verschiedene Fahrzeuge. Und: Es gibt auch immer mehr Fahrschüler, die sich erst im späten Alter für den Führerschein entscheiden oder aus einem anderen Kulturkreis stammen. Gerade für diese Gruppen kann der Führerschein zu einer besonders großen Herausforderung werden.

Wer in einem Lander übt, kann gefahrenlos Situationen einüben, wie beispielsweise den Fahrspurwechsel, der laut Pflanz zu den schwierigsten Manövern zählt. Viele Schüler würden beim Blick in den Rückspiegel dorthin lenken, wo die Augen hinschauen. „Das ist natürlich ein Unding“, so die Expertin. Auch seltene Phänomene könnten zudem ohne Risiko eingeübt werden. So etwa, wenn plötzlich ein Hund über die Straße rennt, wenn es Glatteis gibt oder ein Gully-Deckel fehlt. „Wenn so was bei einer Fahrprüfung vorkommt, ist die Chance sehr groß, dass der Schüler nicht adäquat reagiert und damit durchfällt, weil er mit so einer Situation noch nie konfrontiert war“, erklärt die Geschäftsführerin.

Volksbank-Firmenberater Lukas Gitzinger besucht Marlene Pflanz in ihrer Fahrschule Impetus.

AUS FEHLERN LERNEN

Nach der „Fahrstunde“ kann die Fahrt noch einmal angeschaut werden, um sie zu analysieren. Denn wie heißt es so schön: Aus Fehlern lernt man. „Je mehr sie sich darauf einlassen, desto größer ist der Lernerfolg“, weiß Marlene Pflanz. Den Schülern gibt der Lander die Möglichkeit, komplexe Abfolgen und Motorik einzuüben und mit Geduld (die Lernkurve ist erst mal flach) voranzukommen. So wird eine Menge Frust vermieden, dabei sogar Geld gespart und das nötige Selbstvertrauen aufgebaut. Zum Wohle aller.

SPEZIALISIERUNG BRINGT ERFOLG

Ebenfalls ein Mittelständler, aber in einem ganz anderen Geschäftsfeld aktiv, ist die Firma KTM Troxler aus Ettenheim-Münchweier. Auch dieses Unternehmen profitiert derzeit von der Innovationsfinanzierung 4.0, im Bereich der Fertigung. Troxler ist ein badisches Traditionsunternehmen und Protagonist des deutschen Wirtschaftswunders. Inspiration für die Unternehmensgründung war der hiesige Weinbau, so fertigte der Maschinenbauer einst Abbeermaschinen und andere technische Helfer. Mittlerweile hat sich die Firma auf Abfüllanlagen spezialisiert – mit Kundschaft in Österreich, den Beneluxländern, in Skandinavien und sogar in Neuseeland. „Die Abfüllanlagen sind dabei nicht für die ganz großen Weinbaubetriebe oder Brauereien gedacht“, erklärt Yannic Troxler, der das Familienunternehmen in mittlerweile dritter Generation leitet, „sondern für die eher kleinen Winzer, die zwischen 10 und 50 Hektar Reben haben.“

KURZ ERKLÄRT

Um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, vergibt die KfW Kredite zu einem günstigen Zinssatz, zusammen mit einem Tilgungszuschuss des Landes. Gefördert werden Projekte wie die Entwicklung und Implementierung von IT- und Datensicherheitskonzepten, der Ausbau innerbetrieblicher Breitbandnetze, die Einführung digitaler Vertriebskanäle sowie Weiterbildungsmaßnahmen in den Bereichen Digitalisierung, Industrie 4.0 und Aufbau der Infrastruktur für Big-Data-Anwendungen.

MADE IN ORTENAU

„Alles, was das Werk verlässt, ist Made in Germany beziehungsweise Made in Ortenau“, sagt Yannic Troxler. Jede Maschine wird in Ettenheim von den 20 Mitarbeitern des Unternehmens hergestellt. Bislang war es allerdings so, dass die Firma für bestimmte Arbeiten an Edelstahlblechen und Edelstahl Aufträge vergeben musste, weil man die dafür passende Maschine nicht hatte. So wurde die Idee geboren, selbst einen Laser zu installieren, um inhouse Edelstahlbleche und Edelstahl zu schneiden. „Wir sind dadurch viel flexibler geworden und können die Teile auch in unserer Qualität produzieren, ohne abhängig zu sein“, stellt Yannic Troxler fest. Der Laser stammt übrigens von der Firma Trumpf aus Ditzingen, einem Hidden Champion der Branche.

BESSER UND SCHNELLER PRODUZIEREN

Dass der Invest von 1,2 Millionen Euro für den Laser und den notwendigen Hallenanbau gestemmt werden kann, liegt auch am günstigen Zinssatz. Dieser sei für sie fast noch wichtiger als der zusätzliche Tilgungszuschuss, sagt Yannic Troxler. Wie bei Impetus ist man auch in Ettenheim sehr dankbar, dass der Berater der Volksbank Lahr den nötigen Input gab, um die Firma voranzubringen. In diesem Fall war das Marcel Enderle, der selbst im Ortsteil Münchweier aufwuchs und das Unternehmen daher bestens kennt: „Ich versuche aber ohnehin, mich immer in meine Kunden hineinzudenken, genau zuzuhören und die ganzen Möglichkeiten, die sich ergeben, vorzuschlagen, wie ich selbst das machen würde“, erklärt der Firmenberater seine Philosophie. Mit der Innovationsfinanzierung 4.0 fand Enderle das richtige Tool für Troxlers Wunsch.

Und so kommen bei Troxler die Schlagkraft und die Innovationskraft eines Mittelständlers in Fahrt, während es bei Impetus die Fahrschüler sind. Beide Unternehmen sind beispielhaft für unsere Region.

Mit unserem neuen Laser sind wir flexibler. Also stärker!

Geschäftsführer Yannic Troxler (rechts) mit Marcel Enderle.

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