Heimatliebe: das Video mit Peter Rottenecker und Reiner Richter
Einfach schön ist es hier in Gengenbach, erst recht bei so einem strahlenden Wetter. Da lässt es sich für die beiden Vorstände der Volksbank Lahr, Peter Rottenecker und Reiner Richter, auch entspannt über den Stand der Dinge sprechen. Zumal es trotz der nicht ganz so unkomplizierten Weltlage zuletzt ganz gut gelaufen ist für die Genossenschaftsbank. Und wenn wir schon mal hier sind, sprechen wir natürlich auch über den Neubau hier in Gengenbach.
Interview mit Peter Rottenecker und Reiner Richter
Die Volksbank-Vorstände über das Geschäftsjahr 2025, ihre Strategie für die Zukunft, die vier zentralen Werte der Bank, neue Technologien und darüber, was Heimat für sie bedeutet.
Wenn Sie auf 2025 zurückblicken: Was war für Sie das prägendste Ereignis bei der Volksbank Lahr – und was hat Sie dabei vielleicht sogar überrascht?
Peter Rottenecker: Das prägendste Ereignis war für mich persönlich – und das war auch 2025 wieder so – der persönliche Kontakt mit den Kunden. Überraschend ist das deshalb, weil heute jeder über Digitalisierung, Avatare und anonyme soziale Medien spricht. Der persönliche Kontakt bleibt das Wichtigste – und genau deshalb war es für mich so prägend.
Im Grunde keine Überraschung, sondern eine Bestätigung Ihrer Haltung und Ihrer Werte.
Gibt es darüber hinaus ein konkretes Projekt, das herausragt – etwa einen Filialumbau, die Solarinitiative oder die Verankerung der vier Werte?
Reiner Richter: Bei dieser Frage gehen mir wirklich viele Gedanken durch den Kopf. Es gab so viele positive Ereignisse, dass ich kein einzelnes nennen kann, das alles überragt. Es war erneut ein sehr schwieriges Jahr, gerade mit Blick auf das geopolitische Umfeld. Umso mehr sage ich mit Blick auf das zurückliegende Jahr: Wir haben es wieder geschafft, das Vertrauen unserer Kunden zu gewinnen, die Bank gut durch die hohe See zu steuern und ein gutes Ergebnis abzuliefern. Ich bin sehr froh um unsere motivierte Mannschaft und darüber, wie wir dieses Schiff gemeinsam durch bewegte Zeiten fahren.
Wo sind Sie noch nicht zufrieden? Wo muss die Volksbank Lahr klar besser werden?
Peter Rottenecker: Wir müssen schneller und produktiver werden. Unsere Kunden brauchen schnellere Entscheidungen von uns, gerade bei Krediten. Hier sehe ich noch deutliches Verbesserungspotenzial.
Reiner Richter: Für mich steht die Kundenorientierung im Fokus, vor allem im digitalen Bereich. Die reinen Digitalbanken sind uns vielleicht noch einen kleinen Schritt voraus. Wir werden aufholen und haben dann den Riesenvorteil, dass wir nicht nur digital auf gleichem Niveau sind, sondern auch das Persönliche dazukommt. Den Unterschied werden unsere Mitglieder und Kunden spüren. Die Digitalbanken versuchen gerade, das Persönliche nachzuholen, das ist aber der wesentlich schwierigere Weg. Wenn wir es schaffen, dass der Kunde sehr viel von zuhause am Smartphone erledigen kann und sich gleichzeitig im Jahresgespräch mit seinem Berater über seine persönliche Lebensphase und Strategie austauscht, entsteht ein ganz anderes Erlebnis – gerade auch für die jüngere Generation.
„Das prägendste Ereignis war für mich wieder der persönliche Kontakt mit unseren Kunden.“
PETER ROTTENECKER über das Jahr 2025
Bei der Bilanzpressekonferenz war die wieder anziehende Kreditnachfrage ein wichtiges Signal. Investiert der Mittelstand in der Region weiter, oder ist die Entwicklung schon wieder fragiler geworden?
Reiner Richter: Der Mittelstand investiert weiter. Wir spüren aktuell allerdings eine Verunsicherung und Zurückhaltung – Stichwort Iran-Krieg und das gesamte geopolitische Umfeld. Gerade gute Unternehmen nutzen diese Phase mit etwas geringerer Auslastung, um sich für den Aufschwung zu rüsten. Investiert wird vor allem in die Senkung der Energiekosten und in Digitalisierung. Genau diese Unternehmen werden in besseren Zeiten den entscheidenden Schritt voraus sein.
Welche Rolle spielt die Volksbank Lahr dabei?
Reiner Richter: Wir unterstützen, begleiten und bieten die passenden Fördermittel an. In diesem Bereich haben wir jahrelange Expertise – wir sind innerhalb des DZ-Bank-Verbundes weit vorne und wurden schon oft für innovative Kundenlösungen mit Fördermitteln ausgezeichnet. Für Energie und Digitalisierung gibt es zahlreiche Programme.
Peter Rottenecker: Ergänzend zur Frage, ob die Entwicklung fragiler geworden ist: 2025 hatten wir Wachstumsraten von rund drei bis vier Prozent bei neuen Krediten. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 inzwischen reduziert, und das spüren wir auch bei unserem Mittelstand. Die starke Kreditnachfrage von 2025 war zumindest im ersten Quartal 2026 nicht in gleichem Maße fort. Die geopolitische Unsicherheit und der Krieg im Iran wirken sich teilweise auch bei unseren Mittelständlern aus – das muss man so sagen.
Wie blicken Sie auf die Perspektiven für unsere Region, gerade vor dem Hintergrund der anhaltenden geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten?
Peter Rottenecker: Das knüpft an die vorige Frage an. Auch unser Mittelstand und unsere Region können sich von den geopolitischen Risiken nicht komplett abkoppeln, weil die Wertschöpfungsketten miteinander verwoben sind. Wir haben hier in der südlichen Ortenau einen sehr starken, stabilen Mittelstand. Trotzdem ist die Unsicherheit spürbar.
Reiner Richter: Wir leben in einer der stärksten Regionen Deutschlands. Gerade in der Ortenau haben wir eine sehr breite Branchenstruktur, geringe Abhängigkeiten und damit auch geringere Risiken. Selbst wenn ein Unternehmen Anteile in der Automobilbranche hat, gibt es bei uns nicht den klassischen Zulieferer mit 80 oder 90 Prozent Abhängigkeit, der bei einem Branchentief komplett einbricht. Verliert ein Unternehmen hier zehn Prozent Umsatz, kann es fünf Prozent oft über andere Geschäftsfelder kompensieren. Die Lage ist herausfordernd, aber aus meiner Sicht ganz sicher nicht hoffnungslos.
Die vergangenen fünf Jahre waren von der Strategy Map geprägt. Welche Ziele haben Sie erreicht – und was nehmen Sie mit in die neue Strategie 2030?
Peter Rottenecker: Das grundsätzliche Ziel ist erreicht: Das genossenschaftliche Modell ist (nach wie vor) völlig intakt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt das deutlich: Wir haben in den letzten fünf Jahren Marktanteile gewonnen, ein nachhaltiges Wachstum erzielt – in allen Segmenten – und unsere Eigenkapitalbasis nachhaltig gestärkt. Und ein Blick auf die Konkurrenzsituation, das kann man an dieser Stelle einmal sagen: Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank-Filiale gibt es in Lahr nicht mehr, die Sparkasse konzentriert sich nach Offenburg. Unsere Strategie war erfolgreich.
Und mit Blick auf die Strategie 2030?
Peter Rottenecker: Sie bestätigt, dass wir mit unserem Kurs in der Vergangenheit ganz gut gelegen haben. Wir haben eine starke Ausgangslage und eine starke Eigenkapitalbasis, die es jetzt weiter auszubauen gilt. Es ist keine grundlegend neue Strategie, in der man alles um 180 Grad dreht. Wir bauen auf dem Erreichten auf, um die Volksbank Lahr zukunftsfähig auszurichten.
Reiner Richter: Die gesteckten Ziele wurden weitestgehend erreicht, die Umsetzungsmaßnahmen sind abgeschlossen. Das zeigt mir, wie gut diese fünf Jahre gelaufen sind – und gleichzeitig, wie wichtig es ist, sich den neuen Herausforderungen zu stellen und zu überlegen, wie wir in fünf Jahren dastehen wollen. Markt, Kunde, Demografie und Gesellschaft verändern sich mit hoher Geschwindigkeit. Wie gehen wir damit um? Daraus leiten wir die Handlungsfelder und Maßnahmenpläne ab, um den Wandel gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden sowie unseren Mitarbeitenden zu gehen.
Wenn Sie die Volksbank Lahr im Jahr 2030 in einem Satz beschreiben müssten – wofür soll sie stehen?
Peter Rottenecker: Die Volksbank Lahr steht im Jahr 2030 für eine moderne, nachhaltige und digital vernetzte Finanzpartnerschaft, die regionale, persönliche Nähe mit innovativen Lösungen verbindet und den Menschen konsequent in den Mittelpunkt stellt.
Reiner Richter: Ich würde es so auf den Punkt bringen: fit für die Zukunft, digital optimal aufgestellt – mit der persönlichen Note in der Beratung.
Mut, Zusammenhalt, Heimatliebe und Wertschätzung – das sind die vier Werte, die seit einem Jahr im Fokus stehen. Welche Rolle spielen sie für die neue Strategie und was bewirken sie im Alltag, gerade mit Blick auf Kundinnen und Kunden?
Peter Rottenecker: Sie spielen eine sehr große Rolle für unsere Strategie 2030, weil sie das Fundament bilden, die Basis unseres gesamten Tuns. Diese Werte stehen für gelebte genossenschaftliche Werte, die der Kunde im Alltag spürt – verbunden mit Mensch, Heimat, Tradition und für mich besonders wichtig mit persönlicher Nähe in einer digitalen Welt.
Reiner Richter: Auch für mich spielen diese Werte eine sehr wichtige Rolle – nicht erst, seitdem wir sie so hervorheben. Für mich sind das Selbstverständlichkeiten, die jeder im privaten wie im beruflichen Alltag einbringen sollte. Wir haben sie jetzt nur noch einmal sichtbar in den Fokus gerückt.
Können Sie die vier Werte konkret machen – mit Beispielen, die Kundinnen und Kunden im Alltag spüren? Beginnen wir mit Mut.
Peter Rottenecker: Mut bedeutet, dass wir unseren Kunden Lösungen anbieten, die man von einer Genossenschaftsbank gar nicht unbedingt erwartet. Beispiel: unsere Solarinitiative, die wir über unsere Tochtergesellschaft umgesetzt haben. Wir bieten innovative Produkte an, die Kunden nachfragen, aber bei einer klassischen Genossenschaftsbank nicht im Standardrepertoire stehen.
Reiner Richter: Mut heißt für mich auch: in einer Zeit, in der viele Banken Filialen schließen, zwei Filialen mit hohen Investitionen wieder neu zu eröffnen – im ländlichen Raum. Damit geben wir das klare Signal nach außen: Wir sind von hier, und wir bleiben auch hier.
Wertschätzung?
Reiner Richter: Wertschätzung wirkt für mich in beide Richtungen. Nach innen – durch Projekte mit unseren Mitarbeitenden, gelebte Führung und den permanenten Austausch im persönlichen Gespräch. Hier wollen wir noch besser werden. Und nach außen – damit Kundinnen und Kunden klar spüren, dass sie bei der Volksbank wertgeschätzt werden, ihre Anliegen ernst genommen werden und sie Empfehlungen für ihren weiteren Lebensweg an die Hand bekommen.
Heimatliebe?
Peter Rottenecker: Heimatliebe heißt für uns: Jeder Mensch und jedes Unternehmen trägt Verantwortung für die Menschen und die Region. Konkret erlebbar wird das durch die Sichtbarkeit der Volksbank – durch unsere Filialen, unsere Beraterinnen und Berater. Durch Projekte wie „Unsere Region blüht und summt“ liefern wir nachhaltige Beiträge. Es zeigt sich auch darin, wie wir Vereine fördern: Allein 588.000 Euro geben wir jährlich in die Region durch Spenden, Sponsoring oder die Bürgerstiftung. So werden Heimatliebe und unsere Verantwortung für die Region ganz konkret erlebbar.
Und Zusammenhalt?
Peter Rottenecker: Zusammenhalt – da kommt das genossenschaftliche Motto: „Was einer allein nicht schafft, schaffen viele zusammen“ ins Spiel. Es geht immer um ein gemeinsames Wir, kein Ich. Kein Egoismus, sondern Gemeinschaft – Volksbank, Kunde, Kommune, Unternehmer. Das Wir steht im Vordergrund.
Reiner Richter: Wir leben in einer herausfordernden Zeit, in der jedem klar sein muss: Allein bewege ich nichts. Nur als geschlossenes Team gewinnen wir – bankintern, im Verband und auf der Kundenseite. Das gilt selbst innerhalb der Kundenberatung: Wie ist der Service? Wie wird der Kunde empfangen? Wie ist die Assistenz, wie die Folgebearbeitung? Jeder ist ein Zahnrädchen – greifen die nicht ineinander, dreht sich das Ganze nicht. Wir brauchen einander und wenn’s funktioniert, macht’s viel Freude und Spaß, und das spüren unsere Mitglieder, Kundinnen und Kunden.
Künstliche Intelligenz (KI) verändert gerade viele Prozesse und Erwartungen.
Wo steht die Volksbank Lahr heute und welche Rolle hat die Technologie mit Blick auf Sicherheit, Service und Beratung?
Peter Rottenecker: KI hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert. Entscheidend ist der Umgang damit: Vor dieser Technologie sollte man keine Angst haben, sondern die Chancen sehen. Servicetätigkeiten und alltägliche Routinen kann KI schon heute übernehmen – unsere Beraterinnen und Berater gewinnen dadurch mehr Zeit für die persönliche Beratung. Auch beim Thema Cybersecurity hilft KI: Sie macht unsere Systeme sicherer und schwerer angreifbar. KI wird unser Leben in vielen Bereichen sehr schnell verändern, aber sie wird bei uns nicht die Menschen ersetzen.
Reiner Richter: Ein schönes Beispiel ist, dass wir bei Union Investment schon die ersten Geldanlagen mit KI-Unterstützung anbieten können. Der Mensch entscheidet, aber er erhält von der KI wichtige Impulse. Gerade in unsicheren Marktphasen kann das die Entscheidung erleichtern – etwa, ob ich aus einem Anlagesegment aus- oder einsteige. Die Kombination aus KI-Impulsen und menschlicher Erfahrung bringt uns auch in der Anlagestrategie weiter. Dass KI den Menschen in der Beratung ersetzt, sehe ich zum heutigen Zeitpunkt aber nicht.
„Für mich sind das Selbstverständlichkeiten, die jeder privat wie beruflich einbringen sollte.“
REINER RICHTER über die Werte der Volksbank Lahr
Wo erleben Kundinnen und Kunden den Einsatz von KI bereits heute oder künftig spürbar?
Reiner Richter: In der Anlageberatung ist sie bereits angekommen. Künftig wird sie auch in der Präsentation für Kundinnen und Kunden eine Rolle spielen – vor allem aber im Service: auf unserer Homepage etwa durch Chatbots, die häufig wiederkehrende Fragen schnell beantworten oder direkt an die richtigen Personen weiterleiten. Ich bin überzeugt, dass KI für unsere Kundinnen und Kunden vieles deutlich leichter machen wird, als es heute ist.
Und mit Blick in die nahe Zukunft? Was lässt sich schon andeuten?
Reiner Richter: Die Gesprächsvorbereitung wird für unsere Mitarbeitenden ein Thema sein. Außerdem die einfachere Navigation auf unserer Homepage: Wenn Sie heute Schlagworte eingeben, erhalten Sie nicht unbedingt das, was Sie brauchen. KI hilft dabei, Suchen breiter zu fassen und Sie landen direkt auf der richtigen Seite. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir Ergebnispräsentationen für den Kunden mit KI-Unterstützung erstellen.
Peter Rottenecker: Ich bringe noch einen Aspekt ein. Wo merkt der Kunde KI? Es sind im Wesentlichen zwei Faktoren. Erstens: Die digitalen Finanzdienstleistungen entwickeln sich weiter – sie werden schneller, und wir können viel mehr über die digitalen Kanäle anbieten. Zweitens: Wir gewinnen Zeit für unsere Kunden, weil viele administrative Prozesse durch KI abgearbeitet werden. Der Kunde muss deutlich spüren, dass wir mehr Zeit für ihn haben.
Viele Kundinnen und Kunden verbinden digitale Finanzlösungen wie Banking-Apps oder Payment-Lösungen noch immer eher mit großen Plattformen als mit ihrer Hausbank. Wie will die Volksbank Lahr ihre digitalen Angebote stärker im Alltag der Menschen verankern – und dabei unverwechselbar bleiben?
Peter Rottenecker: Zunächst muss man festhalten: Wir können viel mehr und sind digital deutlich stärker, als viele Kundinnen und Kunden vermuten. Es liegt an uns, diese Kompetenz nach außen sichtbarer zu machen. Unsere VR-Banking-App kann fast alles, was Neobroker auch können. Unsere Aufgabe ist es, den Kunden zu zeigen: Wir sind mindestens genauso gut und verbinden das mit persönlicher Beratung. Wir bieten also deutlich mehr. Wir müssen erreichen, dass die Kompetenzvermutung wieder bei uns liegt.
Reiner Richter: Für mich ist auch Wero ein großes Thema – eine europäische Payment-Lösung, nicht von jenseits des Atlantiks. Ergänzend, wie mein Vorstandskollege es sagt: Es geht um die aktive Ansprache im Kundengespräch und darum, die Kunden zu befähigen. Ich bin überzeugt: Kundinnen und Kunden wollen wegen Kleinigkeiten gar nicht ihren Berater anrufen. Wenn sie wissen, dass sie etwas schnell und einfach über die App oder die Homepage lösen können, gehen sie diesen Weg lieber. Und der Berater hat dann Zeit, mit dem Kunden intensiv über die eigentlichen Themen und Vorhaben zu sprechen.
Unser Vorteil ist, dass wir beides bieten: die Technik und das Persönliche. Anders als bei den großen Plattformen gibt es bei uns den verlängerten Arm der Bank – digital und persönlich.
Peter Rottenecker: Genau. Diese digitalen Angebote haben wir. Wir müssen sie nur stärker ins Schaufenster stellen, mehr dafür werben. Und zusätzlich haben wir die persönliche Beratung. Bei uns bekommen die Kundinnen und Kunden mehr als nur eine digitale Lösung. Wir sind da, wenn wir gebraucht werden. Und genau das müssen wir kommunizieren, immer wieder, ohne müde zu werden.
Alle sprechen über digitale Banken – Sie investieren in Standorte vor Ort. Warum gehen Sie diesen Weg?
Peter Rottenecker: Das ist genau das Thema, über das wir die ganze Zeit sprechen. Einerseits Digitalisierung – ja, das gehört dazu und da sind wir auch schon gut unterwegs. Andererseits Mensch, Heimat, Tradition, das ist unsere genossenschaftliche DNA. Dafür müssen wir in unsere Standorte vor Ort investieren – damit wir als Volksbank Lahr sichtbar bleiben, der Mensch eine regionale Plattform und ein lebendiges Netzwerk findet, um den persönlichen Kontakt zu pflegen. Das ist Teil unserer Strategie und Teil unserer Werte.
Dazu passt die Aussage aus dem Film: „Wir sind von hier – und wir bleiben auch hier.“ Regional verwurzelt, Nähe und Vertrauen. Filialen sind nach wie vor Orte der Begegnung, Beratung und des Austauschs – ein sichtbares Bekenntnis zur Region. Investitionen verursachen Kosten, aber die Volksbank Lahr entscheidet sehr bewusst, wo sie investiert.
Reiner Richter: Banking funktioniert nicht nur digital. Digitale Tools sind ein großes Hilfsmittel, vor allem im Service. Aber Umfragen zeigen – und ich erlebe es bei meinen eigenen Kindern –, dass auch junge Kundinnen und Kunden, die mit dem Smartphone und fast ausschließlich digital unterwegs sind, bei komplexeren Themen einen persönlichen Ansprechpartner bevorzugen. Diese Kombination ist unser Alleinstellungsmerkmal der Zukunft.
Konkrete Beispiele sind die modernisierten Standorte in Rust und Ichenheim: Warum bleibt die persönliche Präsenz trotz wachsender digitaler Möglichkeiten ein zentraler Teil des Geschäftsmodells?
Peter Rottenecker: Die Gründe haben wir schon genannt. Es geht darum, was bei den Menschen ankommt: eine Beraterin oder ein Berater, eine sichtbare Filiale – und dazu das, was digital reibungslos funktioniert. Das ist für mich ein starker Dreiklang und genau das macht unsere Stärke aus.
Mit dem geplanten Neubau in Gengenbach wird sichtbar in die Zukunft investiert. Was ist dort geplant – und welches Signal senden Sie damit für die Region?
Peter Rottenecker: Geplant ist ein zukunftsweisendes Kompetenzcenter. Das Signal ist für uns ein klares Bekenntnis zur Region. Und auch hier gilt unser Satz: Wir sind von hier, und wir bleiben auch hier.
Und es passt zum Bild: Andere Banken verabschieden sich aus der Fläche, Sie investieren.
Reiner Richter: Ja, wir investieren in die Zukunft und optimieren den Kundennutzen. Nehmen wir nur die Parksituation: in der Stadt sehr eingeschränkt – am neuen Standort auf der grünen Wiese ein ganz anderer Komfort. Erreichbarkeit wird großgeschrieben, auf allen verfügbaren Kanälen und trotzdem sind wir vor Ort.
Die Solarinitiative wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 ausgezeichnet. Was macht das Modell so erfolgreich – und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit insgesamt in Ihrer Strategie und im täglichen Geschäft?
Reiner Richter: Wir sprechen von einem 3-Gewinner-Modell. Erstens profitieren die Vereine oder gemeinnützige Einrichtungen von einer kostenlosen Photovoltaikanlage. Zweitens unsere Mitglieder, die sich direkt an der Refinanzierung beteiligen können und einen über dem Markt liegenden Zins erhalten. Der dritte Gewinner ist die Umwelt: Vor Ort wird nachhaltiger Strom erzeugt. Und natürlich profitieren auch wir als Volksbank, weil wir Impulsgeber in der Region sind. Alle Beteiligten leisten einen wertvollen Beitrag zur Energiewende und inzwischen wird die Solarinitiative auch von anderen Genossenschaftsbanken in Deutschland übernommen. Nachhaltigkeit spielt für uns eine große Rolle, wir tragen Verantwortung für künftige Generationen. Welche Welt, welche Region wollen wir unseren Kindern und Enkelkindern überlassen? Da müssen wir heute handeln.
Strategie, Digitalisierung und neue Technologien gelingen nur mit den Menschen. Wie nehmen Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit?
Peter Rottenecker: Es geht um die Sinnfrage: Welchen Sinn hat unsere Arbeit? Und es geht darum, ein Zukunftsbild und Szenarien aufzuzeigen – einen Nordstern, an dem sich alle orientieren können. Wo wollen wir hin? Aber auch: Was würde passieren, wenn wir den Weg der Digitalisierung und der neuen Technologien nicht gehen? Hätten wir überhaupt noch eine Daseinsberechtigung? Deshalb müssen wir den Weg weisen, den Nordstern immer wieder zeigen und klar kommunizieren.
Reiner Richter: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation – ich sehe es genauso wie mein Vorstandskollege. Dazu die Chance für jede und jeden, sich für neue Aufgaben fit zu machen und den Weg mitzugehen. Und sicher natürlich auch das Einzelgespräch, das es immer wieder braucht: um den Einzelnen abzuholen, zuzuhören, zu erklären und zu überzeugen.
Wichtig ist auch das Thema Kultur – gerade Fehlerkultur, die bei der Volksbank Lahr schon spürbar gelebt wird. Aber es geht um Kultur und Haltung insgesamt.
Peter Rottenecker: Eine permanente Feedbackkultur ist Teil unserer Kultur. Wir reflektieren uns immer wieder: Sind wir auf dem richtigen Weg? Wir als Vorstände bekommen die Hinweise unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wenn etwas nicht gut läuft – und passen unsere Strategie immer wieder in kleinen Schritten an. Es ist ein Miteinander.
Wenn wir uns im nächsten Jahr bei der Bilanzpressekonferenz wieder treffen – woran würden wir erkennen, dass die neue Strategie 2030 gut angelaufen ist? Und was würden Mitglieder, Kundinnen und Kunden konkret spüren?
Peter Rottenecker: Wir würden es daran erkennen, dass die Kundenzufriedenheit nochmals gestiegen ist. Spürbar wird das, wenn der Kunde nahtlos zwischen digitalem und persönlichem Service und Beratung wechseln kann, dabei individuelle und transparente Lösungen erhält und unsere neuen, zukunftsweisenden regionalen Kompetenzcenter unsere Verbundenheit sichtbar machen. Entscheidend sind aber nicht die Gebäude oder die Technik, sondern die Menschen – erst durch sie erhält alles seinen Wert.
Reiner Richter: Wenn wir im nächsten Jahr feststellen, es läuft rund – alle Mitarbeitenden haben ihren Platz gefunden, fühlen sich wohl und sprechen positiv von der Strategie –, dann sind wir gut unterwegs. Und wenn unsere Kunden spüren, dass wir mehr Zeit für ihre Fragen und die Beratung haben. Letztlich geht es auch um den wirtschaftlichen Erfolg, damit wir das Eigenkapital weiter dotieren können und Spielraum für neue Investitionen und neue Strategien frei wird.
Ganz konkret: positive Rückmeldungen der Kundinnen und Kunden, spürbar einfachere Prozesse, schnellere Kreditentscheidungen, bessere Erreichbarkeit und mit KI schnellere Lösungen. Und bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: hohe Zufriedenheit und Arbeitsfreude, geringe Fluktuation. Schon heute lassen sich offene Stellen und Ausbildungsplätze ohne großen Aufwand besetzen – ein gutes Zeichen.
Peter Rottenecker: Genau. Und im Großen formuliert: Die Strategie 2030 ist gut gelaufen, wenn die Volksbank Lahr 2031 noch da ist – als selbstständige Bank in Lahr, das kleine gallische Dorf in der Republik, nahe der französischen Grenze.
Zum Abschluss noch eine Frage: Wir haben viel über Zahlen, Strategie und Projekte gesprochen. Was macht für Sie ganz persönlich Heimat aus, und wie prägt das Ihre Entscheidungen als Vorstand?
Peter Rottenecker: Heimat ist für mich ein Gefühl – ein Gefühl, in dem man erkennt: Hier bin ich zu Hause, hier bin ich angekommen, hier fühle ich mich wohl. Und das überträgt sich auf jede Entscheidung. Fühle ich mich damit wohl? Fühlt sich der Kunde wohl? Was erreiche ich mit meinen Entscheidungen? Kurz zusammengefasst: Heimat ist für mich das Gefühl, sich wohl, zu Hause und geborgen zu fühlen.
Reiner Richter: Heimat ist für mich auch ein Ruhepol – das Wohlfühlen in der Familie, Freundeskreis und Umgebung. Das schenkt mir in vielen Situationen die nötige Gelassenheit, wichtige Themen in Ruhe zu reflektieren. Bei einem Spaziergang im Wald habe ich Abstand zum Tagesgeschäft. Und gerade in diesen ruhigen Momenten entstehen neue Perspektiven, die helfen, Entscheidungen noch bewusster zu treffen. Heimat schenkt mir Gelassenheit.